Dienstag, 5. Oktober 2010

Nachruf: Der Geburtstag des Belgiers.

Wie ich bereits am Ende eines vorangegangenen Blogs erwähnt hatte, war es am Ende der letzten Woche der Geburtstag des Belgiers gewesen. Am Freitag, um ganz bei der Wahrheit zu bleiben.

Da Belgier vielleicht von Natur aus nicht die nachdenklichsten Menschen der Welt sind oder einfach, um uns die ganze Sache einfacher zu machen, schlug Etienne das Krähennest als Ausgangsort der Feierei vor. So wusste immerhin jeder, wohin es geht, da wir in dieser Bar schon am Mittag waren.

Meine drei Mädels waren an diesem allesamt auf Tour: Mel wollte sich mit ihren Marinefreunden treffen, Sam hatte vor mit einer Freundin in eine Bar zu gehen und Fiona war von Leuten aus ihrem Kurs zu einer Art Freifilmnacht eingeladen worden. Ich war also allein auf der weiten Flur und so ganz froh, dass auch ich Pläne für den Abend hatte.

Um 9 sollte die Geburtstagsause beginnen und da ich nicht wusste, wie ich die Zeit über den Jordan bringen sollte, beschloss ich Mels Einladung zu folgen und noch kurz mit ihren Marinehomies abzuhängen. Diese trafen sich im Gebäude der Students Union, das sich mitten auf dem Campus befindet und gar nicht weit vom Crow's Nest entfernt lag. Perfektomat also.
Da Mels Kommilitonen nicht gerade von der Sorte "Superheldengeschichten mit viel Blut und Krawall" oder "geil aussehend, weiblich und Möpse" waren, kippte ich mein Bier dementsprechend hurtig und schwang mich ins Nest der Krähe.

Dort saß Etienne recht einsam mit einem kleinen Glas Bier an einem Dreiertisch. An sich noch keine beunruhigende Enthüllung, die Uhr hatte sich gerade erst auf der 9 Uhr ausgeruht und da die Gäste auf diese Zeit geladen waren, konnte damit gerechnet werden, dass sie erst in dern nächsten halben Stunde ankommen würden. Keiner will gern der oder die Erste sein. Auch die Geschichte mit den drei Stühlen am Tisch kam mir nicht Spanisch vor, die Bar war sehr voll und scheinbar an jedem Tisch schienen sich trinkwillige Engländer eingefunden zu haben.

                                  Ich hätte es besser wissen müssen.

Natürlich sollten wir an diesem Abend zu dritt bleiben: Etienne, ich und die Nerventröte Alice. Die hatte ich schon am Donnerstag gefressen. Es gibt einfach Menschen, die besser keine Wellen zu Tönen und dann Worten formen sollten. Weil Grütze eben immer Grütze ist, auch wenn man sie zu einem großen Haribogoldbären formt. Physikalisch ganz einfach zu belegen.
Ich erklärte den beiden gleich mal, dass ich mich heute eher nach einem ruhigen Abend sehnte und deshalb so gegen 12 auf die Metro hüpfen würde, was die gute Frau aus dem Wunderland gleich mal mit einem "Wir nehmen alle ein Taxi. Da können wir länger bleiben und so ist es günstiger für jeden, wenn wirs uns zu dritt teilen", abfangen wollte. Dumme Idee sowieso. Etienne wohnt auf der anderen Seite der Stadt. Das ist auch nicht wirklich günstiger, wenn der Taxifahrer einmal durch ganz Newcastle drehen muss, bevor alle angekommen ist. Aber gut, Logik ist ja auch nicht wirklich eine Kompetenz in diesen Tagen. Die Begründung warum Wunderfrau keine Metro besteigen wollte, liegt darin begründet, dass sie bisher immer von ihrem Haus zur Uni gelaufen ist und keine Ahnung hat, wie sie nun von einer der beiden Metrostationen heim kommt.
Ich find, Menstruationsbeschwerden sind ein Scheiß gegen solch elementare Probleme. Also wenn man einen Orientierungssinn wie ein faulender Apfel hat, dann ist das bestimmt eine Art Weltuntergang.

Nun saßen wir im Nest und ich war schon ganz verliebt in meine dritte Bierflasche und ich konnte fühlen, dass alles gut werden würde.
Doch natürlich kam alles anders.

Irgendwer, dessen Namen ich gar nicht mehr nennen muss, kam auf die geile Idee uns in einen Club zu schleppen. Natürlich nicht irgendeinen lapidarden Club. Sie hatte den fünftbesten Club DER WELT für uns aufgetrieben, jedenfalls sei er in einer sehr empirischen Umfrage dazu gewählt worden. Das Wort "empirisch" hab ich hier nur eingefügt, damit die Spinnerei wenigstens noch ein bisschen Wahrheitswasser schlürfen darf und nicht komplett zur Komödie verkommt.
An dieser Stelle wand ich schon ein, dass ich gar nicht so in Raketenabschuss- oder Füßewundlaune sei, aber das galt hier keinen Pfifferling.
Nun wusste unsere Führerin natürlich nicht wo der Club liegt, nicht mal den Straßennamen oder sowas gutes, was Klarheit bringen könnte. Was macht man also, wenn man nicht weiß, wo das Ziel liegt?
Richtig, einfach drauflos laufen. Taten wir dann auch und kamen am "Tigertiger" an, einem Club der sich über mehrere Etagen zog. Ich warf noch mal vor die Füße, dass ich gar nicht so in Stimmung sei und kein Geld hätte und alle guten Ideen, die ich fand, aber die beiden waren schon in Richtung Tür marschiert. Na doll, dann eben rein in die Höhle des Löwen, bzw. Tigers.

Fünf Pfund Eintritt waren dann doch legitimer als erwartet.
Nun fasse ich mich kurz, da ich niemanden um halb Vier den Tiefschlaf bringen will und erwähne nur noch die geilsten und ungeilsten Dinge.

Geil:
  • 50-jährige, fette Frauen, die mit ihren ebenfalls fetten Töchtern um die 18 feiern gehen und alle wie lustige Presswürste dreinschauen und aussehen.
  • Parfum und Deo auf der Toilette UND einen Schwarzen, der einem Seife auf die Hand macht und danach ein Papiertuch zum Trocknen reicht. Warum der ausgerechnet schwarz sein muss, weiß ich nicht aber ich war begeistert und ChupaChups-Lutscher gabs auch noch. Ich hab gleich mal zwei Pfund Trinkgeld dagelassen
  • SEHR günstiges Bier, wobei ich mir nicht sicher war, ob es sich um ein Pint handelt. Nach dreien davon fühlte ich mich aber schon recht gepintet.
  • Ich bin um 12 wie versprochen einfach abgehauen, auch wenn Alice mir erklärte, dass es keine Entschuldigung für mein Verhalten gibt. Passt auch, meine Mama hat mir beigebracht, dass ich mich vor Dummnuss-Schlampen nicht rechtfertigen muss.
Ungeil:
  • 50-jährige, fette Frauen, die mit ihren ebenfalls fetten Töchtern um die 18 feiern gehen und alle wie lustige Presswürste dreinschauen und aussehen.
  • Na ratet mal wer. Wer mir den Namen zuerst aufs Facebookprofil rotzt bekommt wahlweise eine Tasse mit meinem Foto, Gratissex, weil ichs nötig hab oder einen Schokoladenkuchen
  • Der Etienne tut mir voll leid.

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