Freitag, 1. Oktober 2010

Einführungswoche beendet!

Sodela. Da wären wir nun. Eine Woche Einführungsquatsch. Endlich rum und nun darf der Ernst des Lebens dann auch bitte mal beginnen. Nicht zuviel natürlich, das kann man in meinem Alter ja nicht mehr so gut verkraften, aber ein bisschen mehr dürfte dann doch sein.

Gestern begann der Tag gleich lustig mit dem Treffen unseres Tutors, von mir nur noch Dr. Popo genannt, weil Liviu Popoviciu nun wirklich kein gängiger Name ist. Er kommt aus Transylvanien, wie wir erfuhren und uns wurde verboten irgendwelche Vampirwitze zu erzählen. Dr. Popo ging noch einen Schritt weiter, da er scheinbar ein Lehrbuch über den Mythos der Vampire geschrieben hat und jeden droht, einen fünfstündigen Monolog über das Thema zu halten. Wahrscheinlich soll das als Abschreckung dienen, aber das war so das einzige, was mich an der Einführungswoche interessiert hätte. Ich werde ihn bei Gelegenheit mal drauf ansprechen.
Jedenfalls saßen wir zu 14t in unserem kleinen Raum und jeder musste sich vorstellen. Das lief auch soweit recht reibungslos.
Doch dann kam Charley.
Charley ist seineszeichens Chinese und ein sehr alter dazu. Charley zählt 28 Lenzen und wir bald 29, wie er uns mitteilen wollte. Charley war eh SEHR mitteilungsbedürftig, doch das erfahrt ihr gleich. Um einen besseren Einblick zu ermöglichen, wie das hier von Statten lief, werde ich nun aus der Egoperspektive erzählen und Charley Vorstellungsmonolog festhalten.
Vorhang auf:

"Ich bin in einem kleinen Dorf in China geboren worden. Seit ich denken kann, wollte ich Journalist werden. Ich träumte nachts, davon Journalist zu werden. Ich träumte tagsüber davon, Journalist zu werden. Nichts in der Welt war größer als dieser Wunsch. Also studierte ich einen Bachelor im Bereich Journalismus. Alles schien möglich, meine Träume sollten endlich erfüllt sein. Doch, wie ihr wisst, in China gibt es weitläufige Zensur in den Medien. Alles wird kontrolliert und so arbeitete ich ständig unter dem Licht der Zensur. Ich war als Editor eingesetzt worden und musste Texte schreiben und überarbeiten und Zensur überall. Nicht mal Karaoke singen ist erlaubt. Dann traf ich einen Freund. Er war schwul. Nein, er ist es immer noch. Und er hat mich veführt und ich hatte Sex mit Männern und jetzt bin ich auch schwul. Und ich habe einen Freund und wir haben oft Sex. Und ich wollte unbedingt nach Newcastle und mein Freund hielt mich ab. 2008 und 2009 und dieses Jahr durfte ich gehen. Er wollte sonst kein Wort mit mir reden. Und ich bin so froh, dass ich schwul bin und das in England einfach so jedem sagen kann."

Und DAS hatte nun sehr offensichtlich jeder mitbekommen. Unser Tutor lag während dieses Vortrags, der noch viel länger ging, aber ich kann mich nicht mehr zu 100% dran erinnern, mit dem Kopf auf dem Tisch, hochrot und ich glaube alle mussten lachen, weil das so aus dem Blauen heraus kam. Ich fand das ja sehr sympathisch und es hat mir meinen Tag versüßt. Wenn ich Charley wäre, würde ich nun nur nicht draußen auf der Straße herumrennen und es jedem erzählen. Es könnte doch sein, dass nicht jeder so liberal und tolerant ist, wie sich der gute Herr das vorstellen möchte.

Danach folgte eine weitere Vorstellungsrunde mit mehreren Leuten und auch da gab es wieder einen feinen Herrn, dieses Mal aus Griechenland, der folgendes in den Raum feuerte: "Mein Name ist Costa. Ich komme aus Griechenland. Ich studier hier, aber ich bin schwer süchtig und brauch dringend eine Zigarette, weshalb ich eine Pause vorschlage."

Und diese Pause gab es dann auch und in der Pause lernte ich Etienne aus Belgien, Yasiliki und Costa aus Griechenland, Jon aus Amerika, Marit aus Holland, Alice aus Rumänien und ich hab seinen Namen vergessen aus England kennen. Dazu noch Ali aus Griechenland, doch die kannte ich schon. Ich hatte nur ihren Namen vergessen. Aufmerksam, wie ich halt manchmal bin. Das mag daran liegen, dass Ali nicht grade das ist, was der feine Typ wäre. Vor allem erscheint mir seltsam, dass sie mich schon zu sich und danach auf einen Kurztrip nach Spanien eingeladen hat. Warum kann das nicht mal ein anderer Typ Frau sein, der mir sowas anbietet. Ach ja, apropos. Marit, die gutaussehende Dame am Tisch hat natürlich einen Freund. So ist das immer, die geilen sind vergeben. Und treu.

Heute Abend hat Etienne Geburtstag. Das heißt, eigentlich schon den ganzen Tag über. Aber heute Abend feiert er. Und ich werd wohl hingehen, weil ich nichts besseres weiß und ein paar Freunde zu haben kann wohl nicht schaden. Bin laser gespannt, wie das werden wird.

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